Main-Echo

27.04.2001

 

Im Jugendhaus ist was los: Viele Gäste, viele Aktionen

Leiter Rudolf Reißmann legte Jahresbericht vor

Erlenbach. Das Jugendhaus hat einen wichtigen Stellenwert bei den jungen Leuten. Im vergangenen Jahr besuchten 100 Jugendliche pro Woche das Domizil. Das entspricht nach den Zahlen des Jugendhausleiters Rudolf Reißmann einer Steigerung gegenüber 1999 um 25 Prozent. Für seinen Jahresbericht erntete er in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend Lob von allen Seiten.

Reißmann stellte Vergleiche etwa mit dem Aschaffenburger Jugendhaus an: Dort gebe es täglich rund 35 Besucher. Die Zahl laut Statistik für Erlenbach: 70. Auch die Öffnungszeiten sprächen klar für Erlenbach. Das Jugendhaus ist 37 Stunden pro Woche offen. Aschaffenburg: 17 Stunden/ Woche. In Erlenbach arbeiteten er und eine ABM-Kraft, in Aschaffenburg gebe es 2,5 Stellen und einen Vorpraktikanten. Reißmanns Fazit: Ohne die räumliche und personelle Situation in Erlenbach zu verbessern, werden sich auf Dauer die Besucherzahlen und die Öffnungszeiten nicht halten lassen.

Aus dem ausführlichen Referat des Leiters ging hervor, dass die Mehrheit der Besucher beinahe täglich im Jugendhaus anzutreffen ist. 14 Prozent .der Besucher kommen aus Nachbargemeinden. Die stärkste Gruppe im Haus - 71 Prozent - bilden die Jugendlichen aus der nahe gelegenen Siedlung. Dort wohnen 41 Prozent der jungen Erlenbacher - in der Regel in kleineren Mietwohnungen. Gerade diese Leute seien auf das Angebot des Jugendhauses angewiesen und nutzten es regelmäßig. Dadurch erkläre sich nicht zuletzt die hohe Besucherzahl und die lange Anwesenheitsdauer, teilte der Leiter mit.

Mehr deutsche Besucher

Laut Statistik fanden im vergangenen Jahr mehr Jugendliche mit deutschem Pass den Weg ins Haus. Die Zahlen: 1999 waren es 42 Prozent, 2000: 62 Prozent. Zurückzuführen ist dies - nach Reißmann auf die Russland-Deutschen aus der Siedlung, die das Jugendhaus für sich entdeckt hätten. Auf andere Gruppen habe sich dieses Phänomen nicht negativ ausgewirkt. Hintergrund: 73 Prozent aller ausländischen Jugendlichen in Erlenbach wohnen in der Siedlung.

Hervorgehoben hat Reißmann die Altersstruktur: Vor allem die 14- bis 18-Jährigen - die Zielgruppe der offenen Jugendarbeit - frequentierten das Jugendhaus häufig. Auch bei den Jüngeren weist die Statistik einen Anstieg auf. Und: Die 18-bis 21-Jährigen kommen gerne. Ihre Zahl stieg von 11 im Jahr 1999 auf 26 im vergangenen Jahr - und das, obwohl die Heranwachsenden häufig einen Führerschein besitzen, ihr eigenes Geld verdienen und dadurch auch Angebote andernorts leichter nutzen können, so Reißmann.

Um Mädchen kümmern

Notwendig ist es nach den Worten des Jugendhausleiters, sich verstärkt um die Mädchen zu kümmern. Nach der Statistik sind nur 17 Prozent der Besucher weiblich. Reißmann ist optimistisch. Eine Gruppe jüngerer Mädchen unter zwölf Jahren (von der Statistik nicht erfasst) treffe sich regelmäßig. Die Mädchen hätten mitgeholfen, im Keller den Putz von den Wänden zu kratzen und einen Raum einzurichten.

Renovierungsarbeiten standen im vergangenen Jahr mehrfach an. Hergerichtet wurden der Eingang und ein Kraftraum, derzeit wird ein kleiner Saal renoviert. Reißmann sprach von »Schönheitsrepara­turen«. Das Haus müsse in absehbarer Zeit saniert werden. Mit dem Geld aus dem Getränkeverkauf finanzierten die Jugendlichen unter anderem ein Tischfußballgerät (2500 Mark).

Malwerkstatt, Infoabend zum Thema »Rechtsradikale Rockmusik«, ein Konzert, Streetballturnier, Wochenende in der Fränkischen Schweiz - das waren laut Reißmann die Veranstaltungshöhepunkte in letzter Zeit. Als künftige Projekte nannte er den Mädchentag am 5. Mai sowie die Aktion »Abenteuer-Spielplatz« in den Sommerferien. Auch die Skater seien häufig am Jugendhaus anzutreffen. Für sie wünschte sich Reißmann einen Container.

Ausgerüstet wird das Jugendhaus mit einer Alarmanlage (1200 Mark). Das teilte Bürgermeister Michael Berninger mit. In letzter Zeit hatten Einbrecher das- Haus zweimal heimgesucht. Gesamtschaden: rund 3000 Mark.

msd