Main-Echo

21.05.2001

 

»Mädchen in diesem Alter brauchen einen Schutzraum«

Christiane Leuner leitet den kreativen Mädchentreff in Erlenbach - Mitmachen können Neun- bis 13-Jährige

Kreis Miltenberg. Sie malen Wände und T-Shirts an, verpassen sich gegenseitig Henna-Tattoos und haben dreimal beim Jugendkulturpreis des Landkreises gewonnen: Die Mädels vom kreativen Mädchentreff in Erlenbach kommen jeden Dienstag von 17.30 bis 19.30 Uhr zusammen, »weil es Spaß macht«. Wer glaubt, dass sich die Neun- bis 13-Jährigen mit Topflappen häkeln und Ketten auffädeln die Freizeit vertreiben, liegt daneben.

Bei Räucherstäbchen und gedämpfter Musik und ganz ohne Jungs - »die reden immer so blöd daher« - werden mit der Künstlerin und Kunsttherapeutin Christiane Leuner, die seit 1993 den kreativen Mädchentreff im Erlenbacher Jugendhaus leitet, zunächst Ideen entwickelt. Dabei steht die Kunst im Vordergrund, also Farbe und Pinsel, Pappmache und gelegentlich Hammer und Nägel. Bei der Verwirklichung der Idee gibt es kein »gut« oder »schlecht« - jedes Talent wird individuell von Christiane Leuner unterstützt.

Gemeinsame Entwicklung

Das Besondere an diesem Treff ist, so die Meinung der Mädchen, dass man gemeinsam eine Idee entwickelt und diese umsetzt. »Da bekommst Du nichts vorgegeben und auch keine Noten« - eben ganz anders als in der Schule. Es spielt auch keine Rolle, ob Hauptschülerin oder Gymnasiastin, es wird nicht über Hausaufgaben geredet und es werden keine Mathetricks verraten. Als ihr bestes Kunstwerk bezeichnen die Mädchen, die meist über eine Freundin oder Nachbarin den Weg zum kreativen Treff gefunden haben, den nach eigenen Entwürfen farblich gestalteten Pavillon in Erlenbach. Aber auch eine Wand im Jugendhaus bekam einen kreativen Anstrich verpasst. Und gegen 19.30 Uhr, wenn alle künstlerischen Spuren beseitigt sind, heißt es nicht: »Tschüss bis nächsten Dienstag« - statt dessen ertönt zum Schluss der »Mädchenschrei«.

Christiane Leuner ist überzeugt, dass Mädchen speziell in dieser Altersgruppe einen »Schutzraum« brauchen, wo sie sich zurückziehen können und mit einer Betreuungsperson Freizeit sinnvoll gestalten können. Selbst die Älteren, die dem männlichen Geschlecht nicht mehr ganz so abweisend gegenüber stehen, nähmen solch Mädchenangebote gerne an, sagt sie.

Vor diesem Hintergrund veranstaltete die »Arbeitsgruppe Mädchenarbeit«, zu der die Kommunale Jugendarbeit, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, der kreative Mädchentreff, die Jugendtreffs Kleinheubach und Sulzbach sowie das Jugendhaus Erlenbach gehören, kürzlich einen »Mädchentag«. Der Erfolg sei riesig gewesen, erzählt Leuner: 120 Teilnehmerinnen hätten sich bei Karaoke-Singen, Henna-Bodypainting, einem Inlinerkurs sowie Kicker- und Dartturnieren den Tag vertrieben. Abends, als zwei Bands für Stimmung sorgten, waren auch Jungs zugelassen; allerdings erschien nur eine Handvoll.

Offener Mädchentreff

Neben dem kreativen Mädchentreff gibt es einen offenen Mädchentreff im Jugendhaus Erlenbach. Montags bis freitags verbringen Elf- bis 16-Jährige ihre Nachmittage in ihrem mit viel Engagement und Schweiß selbst ausgebauten und gestalteten Raum.

Ein festes Programm gibt es nicht, gelegentlich werden in Absprache mit Jugendhaus-Sozialpädagogin Monika Elbert Ausflüge unternommen oder ein Back-Nachmittag eingelegt. Der offene Treff kann ab 14 Uhr besucht werden, spätestens um 21 Uhr wird abgeschlossen.

äs

Henna-Bodypainting nur für Mädchen: Im kreativen Mädchentreff im Erlenbacher Jugendhaus wurden unzählige Arm- und Fußketten, Tattoos auf Schulter, Rücken oder Bein gemalt.

Foto: Annegret Schmitz