Main-Echo

20.12.2001

Mobilfunkantenne: Suche nach alternativen Standorten In zwei Monaten 1016 Temposünder zur Kasse gebeten

Wohin mit dem satten Überschuss? - Stadtrat unterstützt Jugendhaus bei Hilfsprojekt für junge Arbeitslose

Erlenbach. In einer Marathonsitzung in der Streitberghalle arbeitete der Stadtrat am Dienstag die letzten großen »Brocken« vor der Weihnachtspause ab. Dabei ging es mal wieder um den Dauerbrenner »Mobilfunkanlage in der Hauptstraße«.

Zu Beginn der Sitzung scheiterte Wolfgang Großmann (FW) mit dem Antrag, den Tagesordnungspunkt »Mobilfunk« vom Ende der Tagesordnung nach vorne zu ziehen. Das Thema beschäftigte den Stadtrat weil Otto Wacker in der Bürgerversammlung beantragt hatte, die Stadt solle mit einem Fachbüro ein Konzept für mögliche Alternativstandorte erarbeiten.

Bürgermeister Michael Berninger sah ein »allmähliches Entgegenkommen« der Mobilfunkbetreiber, von künftigen Standorten in Wohngebieten abzurücken. »Die Antenne in der Hauptstraße kriegen wir aber nicht weg, weil T-Mobil die von der Stadt ausgesprochene Kündigung nicht akzeptiert und auf dem Vertrag besteht.«

Der Stadtrat stimmte zu, ein staatliches Förderprogramm zu nutzen, mit dem die Strahlenbelastung an möglichen Mobilfunkstandorten ermittelt wird. Im Gegensatz zum Bürgermeister gab sich Wolfgang Großmann (FW) zuversichtlich, die bestehenden Antennen doch aus Wohngebieten entfernen zu können, »wenn wir Alternativen anbieten«.

An Schiffswerft zu schnell unterwegs

Die Autofahrer waren vorgewarnt - dennoch wurden seit Beginn der kommunalen Geschwindigkeitsüberwachung im September und Oktober in Erlenbach nicht weniger als 1016 rasante Zeitgenossen »geblitzt« und zur Kasse gebeten. Wie Bürgermeister Michael Berninger bekannt gab, sei mehr als die Hälfte der erwischten Temposünder auf der Klingenberger Straße in Höhe der Schiffswerft in die Radarfalle getappt. Karl Stegmann (FW) forderte, die Autofahrer an der breit ausgebauten abschüssigen Strecke zusätzlich auf »Tempo 50« aufmerksam zu machen.

Der satte Uberschuss von 26000 Mark für die Stadtkasse bewog den Bürgermeister erneut zu betonen, es gehe nicht um »Abzocke«, sondern um den »erzieherischen Effekt«. Bisher sei laut Berninger an zwölf Standorten gemessen worden, zusätzlich sollen jetzt auch die Frankenstraße und, nach Ende der Bauarbeiten, die Glanzstoffstraße überwacht werden. Bei zwei Gegenstimmen beschloss der Stadtrat, im Bauausschuss über die zweckgebundene Verwendung der Bußgelder zu beraten. In Diskussion ist der Kauf eines mobilen Tempomessgerätes.

»Tolle Sache«

Als »tolle Sache« wurde quer durch die Fraktionen das seit November im Jugendhaus laufende Projekt »Main-Job-Net« gelobt. Wie Udo Keimling und Esther Schwinn von den Euro-Schulen Aschaffenburg berichteten, wollen sie gemeinsam mit Jugendhausleiter Rudi Reißmann sozial benachteiligte Jugendliche an den Ersten Arbeitsmarkt heranführen. Zielgruppe seien vor allem junge Aussiedler und Ausländer ohne Schulabschluss, die etwa bei Bewerbungen beraten werden.

Schwinn: »Wir pflegen den persönlichen Kontakt und können den Jugendlichen auch den nötigen >Tritt in den Hintern< geben.« Das Projekt sei auf zwei Jahre angelegt und werde vom Bayerischen Arbeitsmarktfonds gefördert. Da die Räume des Jugendhauses zu klein waren, hat die Stadt nach Auskunft Berningers zwei Container aufstellen lassen.

Teure Frankenhalle

Für die Sanierung der Frankenhalle vergab der Stadtrat vier Nachtragsaufträge für Lüftung und Brandschutz in Höhe von 35 000 Mark sowie den Einbau von Küche und Theke für 93000 Mark. Aus Gründen des Brandschutzes werden Foyer und Treppenhaus baulich getrennt - Kosten hier: rund 60000 Mark. Noch offen ist, welche Fußböden und Möbel für die Halle gekauft werden sollen. Für 35000 Mark wird sie an die Nahwärmeversorgung mit Heizzentrale in der Dr.-Vits-Schule angeschlossen. Die Gesamtkosten der aufwändigen Umbauarbeiten belaufen sich laut Berninger inzwischen auf knapp 4,82 Millionen Mark, nachdem es bei fast allen Gewerken nachträglich zu Mehrkosten - seit Juli: rund 150000 Mark - gekommen ist.

In diversen Haushaltsstellen hat die Stadt in diesem Jahr insgesamt 68000 Mark mehr ausgegeben als veranschlagt, davon allein 40000 Mark in der Wasserversorgung. Der Stadtrat genehmigte die Überschreitungen einstimmig. Für die Pumpen des Wasserwerks wurde ein Wartungsvertrag in Höhe von 17600 Euro beschlossen.

In allen vier städtischen Kindergärten sind künftig je nach Platz und Nachfrage »überzogene Vormittagsgruppen« möglich, in denen die Kinder von 7 bis 14 Uhr betreut werden. Für den 1,6 Millionen Mark teuren Neubau an der Dr.-Vits -Schule vergab der Stadtrat nachträglich die 6800 Mark umfassenden Aufträge für Beleuchtung, Sprechanlage und Waschmaschine. Der früher für den Kindergarten vorgesehene, von der Stadt inzwischen verkaufte Bauplatz an der Münchner Straße darf jetzt mit einem privaten Doppelwohnhaus bebaut werden.

Wie der Bürgermeister mitteilte, hat der Ausbau der Streiter Straße bislang 1,7 Millionen Mark gekostet und somit 600000 Mark weniger, als im Haushalt kalkuliert. Das Pflaster in der Schmachtenberger Straße wurde für 28 700 Mark erneuert.

Höherer Strompreis für Stadt

Volker Göhler, Uwe Titus und Peter Waigand wurden vom Stadtrat für zwei weitere Jahre zu Umweltbeauftragten bestellt, Brigitte Moro kümmert sich als Seniorenbeauftragte um die Anliegen der älteren Bürger. Mit der EZV Energie und Service GmbH schließt die Stadt »auf Druck der Versorgungsunternehmen« einen neuen Sondervertrag ab - mit der Folge, dass die Stadt einen bis zu 20 Prozent höheren Strompreis als bisher bezahlen muss.

Weil der Erlenbacher VdK-Ortsverband in diesem Jahr keine Spendensammler gefunden hat, bedenkt die Stadt ihn mit einem einmaligen Zuschuss von 1000 Mark. Der Stadtrat stimmte außerdem zu, den VdK in Zukunft mit jährlich 500 Mark zu unterstützen.

js