Main-Echo

20.02.2002

 

Einig über die gute Einrichtung Jugendhaus

Leser fragen Kandidaten (III): Die auf den Stadtratslisten Erstplatzierten antworten

Erlenbach. Aktion »Leser fragen Kandidaten« des Obernburger Boten: Da in Erlenbach am 3. März keine Bürgermeisterwahl ansteht, wurden die Fragen den Erstplatzierten auf den vier eingereichten Listen für die Stadtratswahl vorgelegt. Den dritten Fragenkomplex (einer folgt noch) beantworten Bernhard Fried (CSU), Karola Geißlinger (SPD), Dr. Eberhard Großmann (Grüne) und Wolfgang Großmann (Freie Wähler).

Infrastuktur: a. Frankenhalle: Wie hoch werden die jährlichen Defizite ausfallen und mit welchem Nutzungskonzept ließen sie sich mindern oder vermeiden? Warum werden die Räume am Bahnhof nicht verkauft, um das Geld für die Finanzierung der Frankenhalle einzusetzen? b. Sind kulturelle/soziale Einrichtungen wie Bibliothek, Freibad, Musikschule künftig noch finanzierbar? Ist der Fortbestand des Jugendhauses (auch der Räume) gesichert? Soll Erlenbach weiter expandieren - mit allen (teuren) Folgen für die Infrastruktur?

Fried: Die Unterhaltskosten für die Frankenhalle werden durch die Sanierung drastisch zurückgehen. Alleine die Energiekosten werden sich stark verringern. Ziel bei Veranstaltungen wird es sein, die Defizite durch die Einrichtung eines Kulturarbeitskreises und durch Sponsoring so gering wie möglich zu halten. Dass dies machbar ist, haben die Konzerte zum 20. Jubiläum der Musikschule bewiesen.

Die Anschaffung des Sitzungssaales und des Mehrzwecksaales am Bahnhof halten wir nach wie vor für vollkommen überflüssig, sie sind an der falschen Stelle gelegen. Zur Zeit sind diese Räume vollständig verpachtet und führen daher zu Einnahmen im Haushalt. Ein Verkauf zur Gegenfinanzierung der Frankenhalle wäre nicht sinnvoll. Allerdings sollte zur Einrichtung eines Bürgerbüros und eines Sitzungssaals im Rathaus (dort gehört er hin!) ein Verkauf erwogen werden. Diese Räume mit vernünftiger Rendite zu verkaufen ist allerdings schwierig, weil schon der Anschaffungspreis mit rund 6000 Mark pro Quadratmeter dramatisch überteuert war. Im Übrigen ist es Beschlusslage im Stadtrat auf Antrag der derzeitigen CSU-Fraktion, diese Räume zu veräußern, wenn es finanziell vertretbar ist.

Unsere kulturellen und sonstigen Einrichtungen müssen erhalten werden. Wenn wir künftig Fehlinvestitionen wie die in die Räume am Bahnhof vermeiden, werden wir dies auch meistern können.

Das Jugendhaus wird zur Zeit von etwa 220 Jugendlichen pro Woche besucht. Seit es mit Engagement betrieben wird, ist es eine einzigartige Erfolgsstory und ergänzt die wichtige Jugendarbeit in den Vereinen. Wer es schließen will, muss auch sagen, wo die Jugend dann unterkommen soll.

Die Infrastruktur Erlenbachs ist schon jetzt auf deutlich mehr als 10 000 Einwohner ausgelegt. Durch das Wachstum zusätzlich notwendige Investitionen wie der Ausbau des Wasserhochbehälters in Streit stehen schon in Kürze auf der Tagesordnung und werden über die Gebühren finanziert werden. Auch bei der Planung des neuen Kindergartens wurde die Einwohnerzahl schon auf 11000 hochgerechnet. Erlenbach ist gerüstet!

Geißlinger: Ohne Berücksichtigung der Investitionskosten werden die Defizite in der Frankenhalle gegenüber früher deutlich geringer ausfallen, da durch bessere Wärmedämmung und effizientere Energienutzung ein wesentlicher Kostenblock reduziert wurde. Eine weitere Defizitreduzierung kann durch bedarfsgerechte Veranstaltungen erzielt werden. Für die Räume am Bahnhof muss zum einen ein Interessent und zum anderen die Bereitschaft des Stadtrates da sein, auf Dauer auf die Möglichkeit zu verzichten, in eigenen Räumen tagen zu können.

Kulturelle/soziale Einrichtungen sind auch künftig finanzierbar, da viele Einrichtungen mit wachsender Bevölkerung eher günstiger werden, weil die Fixkosten gleich bleiben. Das Jugendhaus hat eine soziale Bedeutung erhalten, die für den Fortbestand bürgt.

Dr. Großmann: Die Höhe der Frankenhallen-Defizite kann man heute noch nicht eindeutig voraussagen. Es ist auch sehr davon abhängig, welche Belastungen in die Kalkulation mit eingehen und welche Art Veranstaltungen hier stattfinden werden.

Die Räume am Bahnhof sollten nicht verkauft werden, so lange der Stadtrat für seine Sitzungen »auf Wanderschaft« gehen muß. Sobald sich eine Alternative anbietet, spricht nichts gegen den Verkaufs-Vorschlag.

Wie bereits erwähnt, ist der finanzielle Rahmen der Stadt für die Zukunft sehr begrenzt worden. Wir werden alles Mögliche dafür tun, um die sozialen und kulturellen Einrichtungen funktionsfähig zu erhalten. Schließlich: Erlenbach sollte nicht weiter expandieren, sondern die Baulücken schließen, was auch das Gesamtbild der Stadt fördern würde.

Wolfgang Großmann: Die Frankenhalle ist der kulturelle Mittelpunkt unserer Stadt und hat daher eine herausragende gesellschaftliche Bedeutung. Bei allen Nutzungskonzepten, die unter dem Zeichen der Einnahmeverbesserung stehen, sollte jedoch auch darauf geachtet werden, daß die Belastung der Anwohner nicht zu groß wird. Der Verkauf der städtischen Räume im Bahnhofsgebäude ist zumindest kurzfristig keine Lösung zur Finanzierung der Frankenhalle. Als Folge müssten die Räume für die Bibliothek und den Sitzungssaal angemietet werden.

Die kulturellen und sozialen Einrichtungen tragen erheblich zur Lebensqualität in unserer Stadt bei, und das soll auch so bleiben. Auf die eine oder andere Leistungs­minderung werden wir uns jedoch einstellen müssen. Unser Jugendhaus leistet eine ausgezeichnete Arbeit, die wir weiterhin voll unterstützen werden.

- eigene Unterstreichungen -