Main-Echo

06.06.2002

 

Zuschuss vom bayerischen Jugendring für Integrationsprojekt des Jugendhauses

Mit dem Geld wird die Stelle des zweiten Sozialpädagogen finanziert

Erlenbach. Der bayerische Jugendring unterstützt das Jugendhaus. Für das Projekt »Soziales Leben in Erlenbach - Integration junger Aussiedler« trägt die Organisation 60 Prozent der Kosten über drei Jahre hinweg - maximal 34000 Euro pro zwölf Monate. Das gab Bürgermeister Michael Berninger in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstagabend bekannt.

Mit dem Geld wird nach den Worten Berningers die Stelle des zweiten hauptamtlichen Sozialpädagogen im Jugendhaus finanziert. Der 29-jährige Ralf Diener wird als Pädagoge mit Rudi Reißmann, dem Leiter des Hauses, zusammenarbeiten. Diener war bisher Jahrespraktikant im Jugendtreff an der Liebigstraße.

Unterstützung hatte der Diplom-Sozialpädagoge Reißmann mehrfach gefordert. Im März wurde in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, eine zweite Kraft für das Jugendhaus einzustellen (wir berichteten). Die Entscheidung fiel mit 11:9 Stimmen knapp aus. Der Bürgermeister hatte damals gegen die Einstellung gestimmt, wie er der Redaktion sagte. Hintergrund: Der Beschluss sei gefasst worden, ohne dass vorher ein Zuschussantrag gestellt worden war. Hätte die Stadt keine Fördermittel bekommen, wäre sie auf den Kosten für die zweite Vollzeitstelle im Jugendhaus sitzen geblieben. Dieser Kelch ging durch den Bescheid des bayerischen Jugendrings nun an der Stadt vorüber.

Unterstützung schon lange gefordert

Das Thema »Unterstützung für den Jugendhausleiter« ist nicht neu. Zuerst habe es ABM-Kräfte gegeben, teilte Reißmann mit. Mit Ralf Diener arbeite seit Juni 2001 der erste Praktikant im Haus. Eine zweite Vollzeitkraft habe bereits sein Vorgänger gefordert, so der Jugendhausleiter.

Das Thema »Jugendhaus« ist damit nicht vom Tisch. Laut Reißmann müssen Heizungsanlage und Dach erneuert werden, die Dämmung lasse zu wünschen übrig, Feuchtigkeit stecke im Mauerwerk. Auf den ersten Blick ist zu sehen: Das Jugendhaus braucht neue Türen und neue Toiletten. Im Treppenhaus fällt teilweise der Putz von der Wand, die Räume im Keller -für Gruppenarbeit genutzt - sind ebenfalls renovierungsbedürftig. Bisher habe die Stadt mal hier, mal da kleinere Arbeiten erledigt, eben das Notwendigste gemacht.

Reparieren oder renovieren?

Dass sich in absehbarer Zeit diesbezüglich etwas ändert, ist eher unwahrscheinlich. Die Stadt hat das Haus vom SV Erlenbach gepachtet. Der Vertrag läuft laut Bürgermeister bis November 2003. Kürzlich habe er mit dem Vorstand des Sportvereins gesprochen. Jetzt will man eine Kostenanalyse für die Arbeiten am Haus erstellen, zudem soll der Wert des Gebäudes geschätzt werden. In dem Pachtvertrag ist laut Berninger unterschieden zwischen Reparatur- und Renovierungsarbeiten. Während die Stadt Reparaturen zu machen habe, sei der Verein für die Renovierung zuständig. »Geld dafür hat weder die Stadt noch der Verein.«

Das Engagement der Jugendhausbesucher ist indes groß, so Leiter Reißmann. Die Jugendlichen legten keinesfalls die Hände in den Schoß. Streichen, sauber machen, kleine Handwerksarbeiten erledigen - in den vergangenen beiden Jahren hätten die jungen Leute selbst oft mit angepackt. Lob für seine Arbeit erntete Reißmann regelmäßig - nicht zuletzt im Kommunalwahlkampf. Das Lob kommt nicht von ungefähr: Kontinuierlich haben immer mehr Jugendliche den Weg zum Treff gefunden. Das belegt ein Blick in Reißmanns Statistik. Im Jahr 2000 besuchten 100 junge Leute pro Woche das Domizil, das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent.

Die Daten weisen einen neuen Rekord aus. Derzeit finden pro Woche im Schnitt 220 verschiedene Jugendliche den Weg zum Treff. Laut Reißmann hat das Haus die umfangreichsten Öffnungszeiten »weit und breit«; Bedarf, die Türen bis 22 Uhr offen zu halten, sei gegeben; derzeit wird um 21 Uhr abgesperrt. Gesteigert habe man den Mädchenanteil; auch im Jugendrat, gewählt im Dezember, seien die Mädchen nun in der Mehrheit. 110 Jugendliche hätten sich an der Wahl beteiligt.

Laut Reißmann haben die Jugendlichen den Umsatz aus dem Verkauf von Getränken und Süßwaren verdoppelt. Dadurch habe man den seit Jahren gleich gebliebenen Etat des Hauses selbst aufgestockt, das Geld komme dem Jugendhaus zugute, die Stadt könne dadurch sparen.

Seit Herbst 2001 hat Reißmann das Angebot im Jugendhaus noch einmal erweitert. Neben dem Freizeitsektor, den jeder Jugendliche nutzen kann, haben sich in Erlenbach auch Gruppen zusammengefunden, die das Jugendhaus regelmäßig besuchen. Dazu zählen ein Mädchentreff mit 15 bis 20 Teilnehmerinnen sowie zwei Break-Dance-Gruppen, die öffentlich auf­treten. Mehrere Bands nutzen das Haus für Konzerte und zum Proben. Eine Greenpeace-Gruppe hat sich gegründet.

Ein Konzert pro Monat

Einmal im Monat steigt ein Konzert mit im Schnitt 250 Besuchern, so die Zahlen des Leiters. Auch Veranstaltungen für Nachwuchsbands hat das Haus im Programm, dazu Mädchenwochen und Kreativtreffs. Hilfe ist dabei nicht ausgeblieben. Der Tischtennisverein hat dem Jugendhaus eine Tischtennisplatte geschenkt genauso die Freien Wähler. Der SV Erlenbach leiht dem Team des Hauses seinen Bus, wenn Ausflüge oder Transportfahrten anstehen.

Und: Das Jugendhaus wurde zum Zentrum erweitert. Angegliedert ist das Main-Job-Net. Ziel der Job-Beratungsstelle ist die Integration ausländischer Jugendlicher ohne Ausbildung und Arbeit. Träger sind die Euro-Schulen (wir berichteten). Außerdem gibt es eine Vermittlungsstelle bei gerichtlichen Arbeitsauflagen.

msd

Einen Zuschuss vom bayerischen Jugendring gibt es für das Projekt »Soziales Leben in Erlenbach - Integration junger Aussiedler« des Jugendhauses. Die Stadt will mit dem Geld die zweite Sozialpädagogen -Stelle finanzieren.

Foto: Bachmann

Einen Zuschuss vom bayerischen Jugendring gibt es für das Projekt »Soziales Leben in Erlenbach - Integration junger Aussiedler« des Jugendhauses. Die Stadt will mit dem Geld die zweite Sozialpädagogen -Stelle finanzieren.

Foto: Bachmann