Main-Echo

21.06.2002

 

Mittagstisch in Schule - Jugendhaus hilft bei Betreuung

Kein Zuschuss für Seniorenkino - Wunsch: Städtepartnerschaften beleben - HSG-Projekt »Planetenweg«

Erlenbach. Im Schuljahr 2003/04 wird an der Barbarossaschule eine Mittagsbetreuung angeboten. Damit griff der Kultur- und Sozialausschuss am Dienstag eine Anregung des Schulamts auf. Die Schüler sollen Gelegenheit bekommen, in der Schule zu Mittag zu essen und betreute Freizeitangebote wahrzunehmen. Wie Bürgermeister Michael Berninger erläuterte, soll in den nächsten Wochen der Bedarf ermittelt, ein Konzept erstellt und der Elternbeitrag festgelegt werden.

Für »dringend nötig« erachtete Berninger zudem, die Hauptschüler schon ab der fünften Klasse sozial zu betreuen. Das städtische Jugendzentrum und Main-Job-Net sollen dabei künftig mit der Barbarossaschule zusammenarbeiten. »Es kann nur ein Einstieg in einen Reparaturbetrieb sein«, so Berninger, der aber wenigstens keine zusätzlichen Kosten verursache. Norbert Herrmann (SPD) drang darauf, damit möglichst schnell zu starten.

Wer trägt Last der Schulsozialarbeit?

Der Ausschuss kam jedoch überein, das Thema Schulsozialarbeit in einem halben Jahr nochmals zu beraten. Bis dahin, so Berninger, werde Klarheit über die Position des bayerischen Städte- und Gemeindetages erwartet. Dieser wolle verhindern, dass die finanzielle Hauptlast der Schulsozialarbeit auf die Kommunen abgewälzt wird, die schon jetzt 40 Prozent tragen müssten. Nach einjähriger Pause mangels Nachfrage soll ab Herbst auch in der Dr.-Vits-Grundschule wieder eine Mittagsbetreuung angeboten werden. Weil dann laut Berninger alle Klassenzimmer belegt sein werden, wird die Seitengalerie der Frankenhalle als Aufenthaltsraum bereitgestellt. Als Aufsichtsperson wird für zweieinhalb Stunden am Tag eine ABM-Kraft eingestellt; das jährliche Defizit bezifferte Berninger mit rund 4700 Euro. Auch eine Hausaufgabenhilfe soll den Grundschülern ab Herbst wieder zur Verfügung stehen.

Sprachförderung wie bisher

Die Sprachförderung in den Erlenbacher Kindergärten wird vorerst nicht aufgestockt. Dies teilte der Bürgermeister auf Nachfrage von Anne Tulke (SPD) mit, die auf den hohen Anteil ausländischer Kinder hingewiesen hatte.

Eine klare Absage erteilte der Ausschuss der Anregung der Jugendhilfeplanung des Landkreises, die städtischen Sportplätze für die außerschulische Jugendarbeit zu öffnen. Die beiden Schulleiter Jochen Reinhold und Helmut Monert hatten im Vorfeld massive Befürchtungen geäußert, die Sportanlagen könnten dann ähnlich ramponiert werden wie der Allwetterplatz des Hermann-Staudinger-Gymnasiums. Einzig Karl Stegmann (FW) befürwortete das Anliegen engagiert: »Hier könnte mit wenig Mitteln etwas für die Jugend getan werden.« Bürgermeister Berninger gestand zu, bei »ein- bis zwei Basketballkörben« könne er mit sich reden lassen.

Mit 7:4 Stimmen lehnte der Ausschuss es ab, dem Kino Passage 500 Euro jährlichen Zuschuss zu gewähren, um das Defizit beim Seniorenkinoprogramm auszugleichen. Besonders Karin Vogel (SPD) setzte sich dafür ein, dass sich die Stadt an diesem »im Landkreis einmaligen Angebot« beteiligt, das auch von vielen betagten Heimbewohnern genutzt werde. Der Bürgermeister hielt einen solchen Zuschuss jedoch eher für »Wirtschaftsförderung« und deshalb für für unnötig: »Man könnte es den Senioren zumuten, 50 Cent mehr Eintritt zu bezahlen.« Stattdessen überlegte er, Kino-Gutscheine bei Seniorennachmittagen verlosen oder bei Geburtstagen verschenken zu lassen.

Weitgehend »eingeschlafen« ist die seit 1971 bestehende Städtepartnerschaft mit Erlenbach am Zürichsee, bedauerte Rena­te Molnar in ihrem Sachstandsbericht -immerhin aber habe sich der dortige Ge­meinderat zum Besuch des Weinfestes im nächsten Jahr angekündigt.

Kontakt zu Saint-Maurice vertiefen

Die Verbindung mit dem französischen Saint-Maurice muss nach Molnars Auffassung ebenfalls belebt werden, zumal seit 1999 kein Schüleraustausch mehr stattgefunden habe. Christian Steidl (CSU) regte an, zusätzlich zu den guten Kontakten zwischen den Musikschulen und auf sportlicher Ebene auch die Volkshochschule stärker einzubinden. Karin Vogel regte an, den Arbeitskreis Städtepartnerschaft wieder ins Leben zu rufen.

Ausführlich stellte Herbert Weber vom Kulturamt den Programmentwurf für das Herbstsemester 2002 der Volkshochschule vor. Neu im Angebot sind unter anderem ein Russischkurs für Urlauber, zusätzliche Deutschkurse für Fortgeschrittene und ein Kurs »Telefonieren auf Englisch«; im Gesundheitsbereich werden unter anderem ein Selbstverteidigungskurs für Mädchen und ein zusätzliches Wirbelsäulentraining angeboten.

Der Ausschuss segnete den Entwurf einstimmig ab - jedoch nicht ohne zuvor darüber diskutiert zu haben, wie das jährliche Defizit in Höhe von zuletzt rund 15000 Euro verringert und die verwaltungsinternen Kostenverrechnungen zu Ungunsten der Volkshochschule durchsichtiger gemacht werden können.

»Planetenweg« am Gymnasium

Wie groß die Dimensionen in unserem Sonnensystem sind, soll ab April 2003 ein so genannter »Planetenweg« veranschaulichen. Der Ausschuss sagte zu, dieses prestigeträchtige Projekt des Hermann-Staudinger-Gymnasiums mit 5000 Euro zu unterstützen. Vorgesehen ist, an der Elsenfelder Straße in Höhe des Schulparkplatzes ein 1,40 Meter großes Modell der Sonne aufzustellen. Vom Zentralgestirn aus werden die Planeten in Richtung Elsenfeld in maßstabsgerechten Abständen aufgereiht. Der äußerste Planet Pluto wäre dann als nur knapp zwei Millimeter großes Kügelchen erst in Kleinwallstadt zu finden.

js