Main-Echo

23.08.2002

»Anstrengung ist schon nötig«

»Null Bock« oder Ehrgeiz -wie sind die Jugendlichen im Altlandkreis eingestellt?

Obernburg. Die Shell-Jugendstudie zeigt, dass die Zwölf- bis 25-Jährigen von heute - wenn es um ihren persönlichen Nutzen geht - gesellschaftlich sehr engagiert sind (siehe Kasten auf dieser Seite). Karriere und hoher Lebensstandard sind die Ziele vieler Jugendlicher. Fleiß und Ehrgeiz sind nicht mehr Attribute, die unbeliebten Strebern angeheftet werden. Diese Tugenden sind heute den meisten jungen Leuten wichtig. Die »Null Bock«-Generation gibt's nicht mehr. Das Vertrauen in die Politik sinkt stetig. Wie sieht das bei den Jugendlichen im Altlandkreis Obernburg aus? Main-Echo-Mitarbeiter Simon Rehak ging auf die Straße und befragte die einheimischen Heranwachsenden.

Janine Kohl (15 Jahre, Schülerin aus Elsenfeld): »Zurzeit bin ich in einer >Null-Bock<-Phase. Das liegt aber an der Ferienzeit und an der Hitze der vergangenen Tage. In der Schule strenge ich mich sehr an, weil ich später studieren will. In meiner Freizeit spiele ich Tennis, Handball und Basketball. Da muss ich mich natürlich auch anstrengen.«

Daniela Höfel (15, Auszubildende aus Hobbach): »In der Schule habe ich mich nicht so sehr angestrengt aber in der Ausbildung ist das jetzt schon nötig. Zeit, um mich gesellschaftlich zu engagieren, habe ich nicht. Wenn ich Zeit hätte, würde ich was für den Tierschutz tun, oder Kindern helfen, denen es schlecht geht.«

Jessica Schneider (20, Augenoptikerin aus Obernburg): »Ich zähle mich keinesfalls zur >Null-Bock<-Generation. In Schule und Beruf musste ich mich nie anstrengen. Ich würde mich als fleißig und ehrgeizig bezeichnen, mein Ziel ist es, ins Ausland zu gehen, um dort zu arbeiten - da muss man sich schon anstrengen. Anderen Menschen helfe ich, indem ich beim Roten Kreuz Blut spende. Über Politik weiß ich nicht ganz so viel, aber ich interessiere mich schon dafür. Deshalb finde ich es gut, dass es jetzt die Fernsehduelle der Kanzlerkandidaten gibt.«

 

Björn Skubacz (21), Tadek Galla (19, Auszubildende aus Aschaffenburg): »Wir setzen uns für unseren Sport, Break-dance, ein. Wir haben im Raum Aschaffenburg einen Proberaum gesucht und viele Briefe an die Gemeinden geschickt. Obwohl es viele leer stehende Räume gibt, bekamen wir nur Absagen. Jetzt proben wir im Aschaffenburger und im Erlenbacher Jugendhaus.«

Sascha Schloter (22, Gerüstbauer aus Obernburg): »Ja, ich bin schon fleißig. Als Gerüstbauer kann ich mir auch keine Schwächen leisten. Für Gruppen engagiere ich mich nicht, aber ich helfe anderen Jugendlichen einen Job zu finden, zum Beispiel in unserem Betrieb. Auch von den anderen erwarte ich Einsatz: Wer keinen >Bock< hat, soll sehen, wo er bleibt. Von der Politik bin ich eher enttäuscht, weil sie den Euro über die Köpfe der Leute hinweg eingeführt hat. Mit dem Euro ist alles teurer geworden.«

Rudi Reißmann (46, Diplomsozialpädagoge, Leiter des Jugendhauses in Erlenbach, aus Leidersbach): »Ich habe Probleme mit solchen Studien, weil sie einen Mittelwert vieler Jugendlicher bilden. Doch die Jugendlichen sind sehr verschieden. Manche haben diese >Null-Bock<-Stimmung, manche wiederum sind sehr einsatzbereit. Viele Jugendliche kümmern sich um das Jugendhaus und helfen bei Renovierungsarbeiten. Wir haben hier in Erlenbach auch viele Russlanddeutsche. Bei denen ist es auch ganz unterschiedlich, wie sie sich verhalten. Die Einstellung ändert sich auch teilweise mit der Zeit. Das war übrigens schon immer so.«

Christian Hakim (15, Schüler aus Trennfurt): »Als fleißig würde ich mich nicht gerade bezeichnen. Ich habe keine Zeit, mich um Dinge für .die Gesellschaft zu kümmern. Außer­dem finde ich alles, wie es ist, in Ord­nung. In der Politik kenne ich mich nicht aus, sie ist mir auch egal.«

Valentin Kluge (14, Schüler aus Obernburg): »Für die Schule mache ich viel; das muss auch so sein, damit ich später einen guten Ausbildungsplatz bekomme. Zu Politik kann ich eigentlich gar nichts sagen, sie interessiert mich auch überhaupt nicht.«

Anika Schork (12) und Jessica Blumoser (13, Schülerinnen aus Wörth): »Die Politiker streiten sich doch nur. Wir haben mal bei einer Umweltaktion der Schule Müll gesammelt. Es ist schlimm, wenn Menschen Tiere quälen. Später wollen wir uns im Umweltschutz engagieren.«

Verena Lemke (18, Schülerin aus Obernburg): »In der Schule bin ich fleißig, weil ich später einen guten Beruf haben möchte. Ich bin politisch sehr interessiert, aber von der Politik nicht begeistert. Ich habe mir auch schon überlegt, in eine Partei einzutreten, aber eigentlich gibt es bei allen irgendetwas, das mich stört. Die Kommunalpolitiker sollten sich mehr für die Jugend einsetzen.«