Main-Echo

12.10.2002

Jugendarbeit: Ohne Moos nix los

Elf Kommunen im Altlandkreis haben derzeit Jugendbeauftragte - Viele neue Ratsmitglieder engagieren sich

Obernburg. »Jeder Euro in die Jugendarbeit ist gut angelegt«, sagt der altgediente Jugendbeauftragte Mömlingens, Horst Markert. Da ist niemand, der ihm widerspräche. Doch den Kommunen fehlt Geld für hauptamtliche Kräfte, für Jugendtreffs, für große Aktionen. Das werden auch die Neuen noch merken, die sich nach der Kommunalwahl bereit erklärt haben, das Amt der Jugendbeauftragten zu übernehmen. Erst in elf der 15 Gemeinden im Altlandkreis ist es besetzt.

»Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung« - so steht's im Kinder- und Jugendhilfegesetz. Im Bayerischen Kinder- und Jugendhilfegesetz werden die Aufgaben der Kommunen konkretisiert: »Die kreisangehörigen Gemeinden sollen (...) im eigenen Wirkungskreis und in den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit dafür sorgen, dass in ihrem örtlichen Bereich die erforderlichen Einrichtungen, Dienste und Veranstaltungen der Jugendarbeit (...) rechtzeitig und ausreichend zur Verfügung stehen.« Soweit die theoretischen Vorgaben. Doch wie sieht die Praxis aus?

Ferienspiele und Jugendtreff

Neben der Vereinsarbeit, die in allen Kommunen gefördert wird, besteht die Möglichkeit, Jugendbeauftragte zu benennen, die als Kontaktpersonen tätig sein sollen. In elf Gemeinden im Altlandkreis haben sich dafür Frauen und Männer gefunden. Sie müssen nicht dem Stadt- oder Gemeinderat angehören.

In Mömlingen gibt Horst Markert aus beruflichen Gründen sein Amt auf, ein Nachfolger ist noch nicht bestimmt. 28 Jahre lang hat er kirchliche Jugendarbeit gemacht, acht Jahre war er für die Gemeinde aktiv. Dem Gemeinderat hat er nie angehört, »aber auch von außen kann man mit Engagement einiges bewirken«. Markert berichtet, er habe die Ferienspiele ins Leben gerufen und den Jugendtreff initiiert. Aus seiner Erfahrung plädiert er dafür, dass es einen weiblichen und einen männlichen Beauftragten geben sollte -»das baut Kontaktschwierigkeiten ab«. »Hauptamtliche« wären nach seiner Meinung die Ideallösung, »weil die einfach mehr erreichen können«. Vielleicht könnten ja mehrere Gemeinden einen Hauptamtlichen gemeinsam beschäftigen, so schlägt er vor. Das Budget, das Mömlingen dem ehrenamtlich tätigen Markert für die Jugendarbeit bewilligt hat, betrug 1500 Euro im Jahr. Ein solcher - wenn auch kleiner - Pauschalbetrag ist eher die Ausnahme: In anderen Gemeinden müssen die Jugendbeauftragten für jeden Zuschuss einen Antrag stellen.

Arbeit »eher überparteilich«

»Von jeder Partei einer« - so wird in Wörth das Ehrenamt besetzt. Die Ratsneulinge Birgit Zethner (FW) und Garsten Schulz (CSU) sowie der »altgediente« Manfred Siebentritt (SPD) kümmern sich gemeinsam um die Belange der Heranwachsenden. Schulz erklärt, dass er und seine Amtskollegen die »Position des Jugendbeauftragten eher überparteilich sehen«. So ist es auch in Sulzbach: Christel Gesierich (FWG) berichtet, dass sie sich regelmäßig mit Holger Weber (CSU) und Andre Sommer (SPD) trifft, denn die drei wollen »agieren und nicht nur reagieren«. Dabei verstehen sie sich laut Gesierich nicht als »Jugendanimateure«, sondern als Politiker, die junge Leute bei der Umsetzung ihrer Ideen unterstützen. Mit dem Jugendtreff werde zusammengearbeitet.

»Ein Jugendbeauftragter ist das Bindeglied zwischen Stadt und Vereinen« - so sehen die Obernburger Stadtratsneulinge Alexander Lazarus (SPD) und Christian Rauscher (CSU) ihre Aufgabe. Lazarus ist eher für Eisenbach und Rauscher eher für Obernburg zuständig, aber eine strenge Trennung gebe es nicht. Lazarus berichtet, dass der Jugendkeller in Eisenbach »im Prinzip gut läuft«. Ganz anders die Situation in Obernburg: Dort sei seit Jahren gar nichts gemacht worden, stellt Rauscher schonungslos fest. Das soll sich nun ändern. Doch einen Jugendtreff findet Rauscher nicht gut, denn der sei »ein Cliquenraum«, und die Jugendlichen in Obernburg seien zu verschieden, als dass man einen Treff für alle eröffnen könne.

»Jugendbeauftragter« scheint ein Job für »Frischlinge« zu sein: wahrscheinlich, weil die neuen Gemeinderäte meist auch die Jüngsten sind. Auch in Leidersbach fungieren zwei Gemeinderatsneulinge als Jugendbeauftragte: Thilo Reichert und Ralf Diener. Der »Jugendcontainer«, ein von der Gemeinde bezuschusster Jugendtreff, den die Leidersbacher in Eigenregie führen, laufe gut, berichten Reichert und Diener. Demnächst soll - wenn die Finanzen es erlauben - vor den »Jugendcontainern« eine Fläche zum Basketballspielen und Skaten geteert werden. Doch nicht immer ist die Arbeit einfach: Reichert, selbst 20 Jahre jung, beklagt, dass bei den Jugendlichen oft die Eigeninitiative bei den ge­wünschten Projekten fehle.

Wunsch nach Pauschalbetrag

In Röllbach heißen die Jugendbeauftragten Charlie Dosch (CWG) und Michael Schwing. Dosch sagt, dass es schwer sei, mit einer Aktion alle Jugendlichen zu erreichen. Er schlägt vor, dass die Jugendbeauftragten jährlich einen Pauschalbetrag zur Verfügung haben sollten. Barbara Bauer (SPD) und Joachim Pfeifer (CSU) sind in Eschau für Jugendangelegenheiten zuständig. Vor Jahren war geplant, berichtet Pfeifer, einen Jugendtreff einzurichten. Weil die jungen Leute in Eschau jeweils sehr auf ihren Ortsteil fixiert seien, hätten die Verantwortlichen die Idee fallen gelassen.

In Mönchberg, wo ein Treffpunkt für die Jugend und ein Skaterplatz diskutiert werden, ist Thomas Zöller für die Jugend aktiv, in Hausen Timo Link. Beide sind nicht im Gemeinderat. »Das Problem bei Jugendtreffs ist, dass die Verantwortlichen nach zwei, drei Jahren nicht mehr in den Treff gehen, weil sie dann dem Alter entwachsen sind«, berichtet Link. So sei es auch in Hausen gewesen. Nun möchte er einen Neuanfang machen. Dazu arbeite er eng mit den Jugendverbänden zusammen, so der Hausener.

In Klingenberg wurde zunächst aus Mitgliedern aller Fraktionen ein Arbeitskreis gebildet, der die Aufgaben des zukünftigen Jugendbeauftragten festlegt. Bürgermeister Reinhard Simon teilte auf Anfrage mit, dass es nur noch einen Beauftragten geben soll, »damit die Jugend genau weiß, wer ihr Ansprechpartner ist«.

»Noch auf der Suche«

Elsenfelds Bürgermeister Helmut Oberle beklagt, dass sich bislang niemand aus den Reihen des Gemeinderates für dieses Ehrenamt gemeldet habe. »Aber die Suche geht weiter«, so der Rathaus-Chef. Niedernberg sieht sich mit dem gleichen Dilemma konfrontiert. Info aus dem Rathaus: »Gespräche sind im Gange«. Gebraucht würden auch weitere ehrenamtliche Helfer, die den Jugendtreff am Leben erhalten. In Kleinwallstadt haben die Verantwortlichen erkannt, dass noch mehr für die Jugend getan werden müsse. Ein Jugendbeirat soll am 14. Oktober um 18 Uhr im Pfarrheim gegründet werden.

Auf der anderen Mainseite, in Großwallstadt, gibt's sogar vier Jugendbeauftragte: die Gememderätin Stefanie Gehrmann sowie Brigitte Samrau, Michaela Herth und Susanne Anzmann. Die Frauen treffen sich regelmäßig mit dem »Jugendparlament«, das aus Delegierten von Schule und Vereinen besteht, und hören sich die Vorschläge der Großwallstädter Jugend an, um sie möglichst zu realisieren. »Dabei ist die Unterstützung durch die Gemeinde groß«, versichert Samrau. Die Erlenbacher gehen erfolgreich einen (teuren) Sonderweg: Sie haben ein gut besuchtes Jugendhaus, das Rudi Reißmann aus Leidersbach hauptamtlich leitet. Er ist
auch als Koordinator für weitere Jugendangelegenheiten bestellt.

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Die Leidersbacher Jugendbeauftragten versuchen, die Wünsche der Jugendlichen zu verwirklichen: Der Basketballkorb soll vor den »Jugendcontainer« verpflanzt werden. Wenn auch noch ein Teil der Fläche geteert wird, können die Leidersbacher hier spielen und skaten.

Fotos: Simon Rehak