Main-Echo

01.11.2002

Viele Jugendliche finden ohne Hilfe keinen Job

SPD-Fraktion befasst sich mit Jugendhilfeplanung

Kreis Miltenberg. »Wir machen Integration, während andere nur darüber reden.« Dies haben die Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion bei ihrem Besuch im Jugendhaus Erlenbach von dessen Leiter Rudi Reißmann erfahren. Für die Beratungen über die Fortschreibung der Jugendhilfeplanung des Landkreises wollten sich die Kreisräte mit direkten Eindrücken rüsten.

Überrascht waren die Mitglieder der Fraktion über die hohe Akzeptanz des Jugendhauses unter den Jugendlichen. So besuchen alleine im offenen Bereich wöchentlich 110 Jugendliche die Einrichtung, darunter sehr viele Spätaussiedler (50 bis 80 Prozent), zehn bis 20 Prozent Jugendliche türkischer Abstammung und zehn Prozent deutsche.

Ergänzt wird die offene Jugendarbeit im Jugendhaus Erlenbach von Main-Job-Net das in Zusammenarbeit mit der Euroschule in Aschaffenburg den Jugendlichen als Anlaufstelle dient, wo sie sich hinwenden können, wenn sie keinen Ausbildungsplatz oder keine Arbeitsstelle finden.

Hier gebe es großen Bedarf, erfuhren die SPD-Räte. Oft seien die Jugendlichen auf Grund des sozialen Umfeldes nicht in der Lage, sich ohne fremde Hilfe zu bewerben oder alleine um eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle zu kümmern. »Die Arbeit, die hier geleistet wird, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden«, stellte Frakti­onsvorsitzender Dr. Ulrich Schüren fest.

Befürchtungen, dass die verschiedenen Zuschüsse für die Stellen im Bereich der Job- und Lehrstellenvermittlung dem Rot­stift zum Opfer fallen könnten, wurden von der Bundestagsabgeordneten Heidi Wright entkräftet. Sie versicherte, dass gerade dieser Bereich unangetastet bleiben werde, da er auch arbeitsmarktpolitisch von sehr großer Bedeutung ist.

»Jugendsozialarbeit generell muss auch uns Kommunalpolitikern ein Anliegen sein«, sagte Gabriele Almritter. Sie entkräftete Befürchtungen der Sozialpädagogen, dass sie bei der Fortschreibung des Jugendhilfeplans nicht gehört werden. »Es wäre wohl absolut unsinnig, einen Bedarf im Bereich Jugendsozialarbeit ermitteln zu wollen, ohne diejenigen zu hören, die bereits damit befasst sind«, so die Kreisrätin.

Rudi Reißmann, der ab diesem Herbst in Erlenbach auch als Schulsozialarbeiter tätig sein wird, sieht im Landkreis einen sehr hohen Bedarf und bat die Fraktion der SPD, lieber Gelder bei Prestigeobjekten einzusparen und diese in die Zukunft der Jugendlichen im Landkreis zu investieren, besonders derer, die auf der Schattenseite der Gesellschaft stehen.