Main-Echo

22.11.2002

Teamfähigkeit, zuhören können: Schulsozialarbeit kein leeres Schlagwort

Besonderes Angebot für Schüler der Erlenbacher Barbarossa-Hauptschule

Erlenbach. »Die Aktivitäten an der Barbarossa-Hauptschule zeigen, dass schulische Sozialarbeit kein leeres Schlagwort, sondern für uns Lehrer längst praktische sozialpädagogische Arbeit ist.« Davon ist Rektor Helmut Monert überzeugt. Seit Beginn des Schuljahres 2002/2003 haben Leitung und Kollegium Sozialarbeit in ein gesamtpädagogisches Konzept eingebunden.

Was ist Schulsozialarbeit? Schule, Ausbildungsbetriebe, Lehrer- und Elternverbände klagen heute viel über fehlende Qualifikationen und Negativentwicklungen bei Schülern und jungen Menschen. Eines der meistgenannten Defizite ist kein oder nur mäßig entwickeltes Sozialverhalten - die Sozialkompetenz, die Fähigkeit, mit seinen Mitschülern »gut auszukommen«, so Monert. Gewalt und Aggression seien oft die Folge, wenn diese Schlüsselqualifikation fehlt.

Schulbehörde und Kultusministerium hätten darauf reagiert, sie forderten den Einsatz von Sozialpädagogen an Schulen. Die anfallenden Personalkosten allerdings sollten die Kommunen tragen; der Staat beteilige sich lediglich mit einem Personalkostenzuschuss. Laut Monert hat der Erlenbacher Stadtrat die Einstellung von Schulsozialpädagogen einstimmig abgelehnt. Dies entspreche der Haltung des Bayerischen Gemeindetages, der im Rechtsstreit darüber mit dem Kultusministerium stehe.

Trotzdem hätten sich die Leitung der Erlenbacher Hauptschule und die Stadtverwaltung Gedanken darüber gemacht, wie sie das Thema »Schulsozialarbeit« angehen können. Dazu habe Anfang April ein Gespräch zwischen dem Staatlichen Schulamt Miltenberg, Bürgermeister Michael Berninger und ihm, Rektor Monert, stattgefunden. Für weitere Gespräche sei auch der Leiter des Erlenbacher Jugendhauses, Rudi Reißmann, hinzugezogen worden.

Einstimmig gebilligt

In einer Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses hätten die Kommunalpolitiker die von Bürgermeister Berninger vorgestellte Konzeption »Schulsozialarbeit« am 18. Juni einstimmig gebilligt.

Nun ist seit diesem Schuljahr die Schule gefordert. Leitlinie und damit Profil der Barbarossa-Hauptschule ist es nach den Worten des Rektors, Defizite der Schüler im Sozialverhalten abzubauen und eine Stärkung der Sozialkompetenz, also die Fähigkeit, mit anderen »sozial« umzugehen, zu erreichen. »Stundenplan und Unterrichtsangebote sind darauf abgestimmt worden. In Arbeitsgemeinschaften lernen und trainieren Schüler soziales Verhalten, entwickeln Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein oder zuhören können«, berichtet Monert. Solche Arbeitsgemeinschaften (AG) sind: Konfliktlotsen-AG, Juniorhelfer-AG (Erste-Hilfe-Ausbildung), Musik-AG, verschiedene Sport-AGs, Schulgarten-AG, Schülerzeitung, Schulspiel, Internet-Cafe.

Eine Beratungslehrerin mache ein besonderes Angebot: ein Sozialtraining mit auffälligen Schülern. Unterstützend dazu führt der Rektor nach Absprache mit den Lehrern wöchentliche Sozialgespräche (Einzelfallbehandlung).

Begleitet wird das Gesamtpaket vom Jugendhaus. Sozialpädagoge Reißmann werde in regelmäßigen Sprechzeiten - dienstags ab 11 Uhr - Schülern zur Beratung und zum Gespräch zur Verfügung stehen, so Monert weiter. Mit eingebunden würden auch ein Berufsberater des Arbeitsamtes und ein Schul-Verbindungsbeamter der Polizeiinspektion Obernburg. Abgerundet werden diese Maßnahmen dadurch, dass sich an zwei Tagen in der Woche ein Lehrer als Hausaufgabenhilfe und Ansprechpartner in der Mittagspause von 13 bis 14.30 Uhr um die Schüler kümmert.

Voraussetzung für den Erfolg des Konzepts ist nach Monert ein vertrauensvolles Zusammenwirken von Lehrern und Schülern, weil durch die Sozialarbeit an der Schule tief in die Persönlichkeit der jungen Menschen eingedrungen werde. »Deshalb sind Vorsicht und Behutsamkeit geboten.«