Main-Echo

09.01.2004

 

Ausgehverbot: »absoluter Quatsch« oder angebracht«?

Ab 20 Uhr zu Hause bleiben - Vanessa (13) findet Idee des CSU-Generalsekretärs Söder gar nicht toll

Kreis Miltenberg. »Ich fände das Ausgehverbot überhaupt nicht gut. Man fühlt sich eingeengt, wenn man nicht mal mehr alleine am Abend zu Freunden gehen kann oder länger als bis 20 Uhr im Schwimmbad bleiben darf«, meint die zwölfjährige Vanessa aus Miltenberg zur Forderung von Dr. Markus Söder. Der CSU-Generalsekretär will Kindern unter 14 Jahren verbieten nach 20 Uhr ohne Erwachsenenbegleitung aus dem Haus zu gehen.

Viktoria, 13 Jahre, ist von Söders Vorstellungen ganz und gar nicht begeistert. Sie teilt Vanessas Meinung und meint außerdem, dass sie sich dann »wie im Gefängnis« vorkommen würde: »Wie soll man selbstständig und selbstsicher werden, wenn man keine eigenen Entscheidungen treffen kann und nach 20 Uhr zu Hause festgehalten wird?«

»Völlig falscher Ansatz«

Dass Söder die Kinder nicht für seinen Vorschlag begeistern kann, war ihm wahrscheinlich klar. Doch nicht nur sie, auch die Sozialpädagogin Tanja Trunk vom Jugendtreff in Kleinheubach ist gegen das Ausgehverbot. »Das ist doch absoluter Quatsch und ein völlig falscher Ansatz. Ich denke, man sollte lieber das soziale Netz erweitern, wenn man etwas gegen die Jugendkriminalität tun will.«, so Trunk.

Als Mutter findet Heidi Zöller, Arzthelferin aus Erlenbach, die Forderung Söders nicht so abwegig. »Meine jüngste Tochter ist mit 18 Jahren zwar schon mündig und darf selbst entscheiden, aber für Kinder unter 14 Jahren finde ich das Ausgehverbot nach 20 Uhr angebracht.« Kinder sollten nach ihrer Meinung abends einfach nicht mehr auf der Straße, sondern bei ihrer Familie sein. Allerdings sei es in der heutigen Gesellschaft schwierig, solche Vorstellung zu verwirklichen, so Zöller. »Ich denke, dass es vielen Eltern zuviel ist, ihre Kinder noch stärker zu kontrollieren. Kinder sollen doch heutzutage möglichst früh selbstständig werden. Abends noch draußen herumzulungern bedeutet für mich aber keine Selbstständigkeit.«

»Eltern sind gefordert«

Mit zurückhaltender Zustimmung kommentiert der CSU-Landtagsabgeordnete aus dem Vorstoß seines Generalsekretärs: »Ich bin dafür, dass Eltern sich mehr um ihre Kinder kümmern sollten und sie nicht unbeaufsichtigt in Kneipen oder Diskotheken gehen dürfen. Es ist nicht in Ordnung, wenn ein zwölf- oder 13-jähriges Kind abends oder nachts um die Häuser zieht und Alkohol trinkt oder raucht.« Man müsse allerdings alles relativ sehen, so Ruth weiter. Wenn ein Kind am Abend Freunde in der Nachbarschaft besuchen wolle, sei dagegen nichts einzuwenden. Eine genaue Vorstellung, wie das Gesetz künftig aussehen soll, hat Berthold Ruth nicht. Er will sich vorerst auch nicht festlegen.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Heidi Wright aus Elsenfeld kritisiert die Vorstellung Söders als realitätsfremd und hat andere Lösungen, um Straftaten von Jugendlichen vorzubeugen. »Man sollte keine Hysterie schüren. Gerade in unserer Gegend gibt es doch relativ wenig kriminelle Jugendliche.« Die Jugendkriminalität müsse in Städten wie Berlin oder Hamburg gezielt durch bessere Kontrollen bekämpft werden. »Aber nicht bei uns«, so die SPD-Abgeordnete. »Soll man jedes Kind aufgreifen, wenn es sich nach 20 Uhr auf der Straße aufhält? Da hätte die Polizei viel zu tun. Man kann ja nicht um 20 Uhr in jeder Stadt eine Sirene losgehen lassen, damit die Kinder wissen, dass sie jetzt nach Hause müssen.«

Ob Söders Forderung eine politische Eintagesfliege bleibt, werden die kommenden Wochen zeigen. Bundesfamilienministerin Renate Schmidt hat schon klar Stellung bezogen. Sie hält nichts von einem abendlichen Ausgehverbot für Jugendliche unter 14 Jahren. »Es wäre weltfremd, wenn Kinder in den Abendstunden zum Beispiel nicht mehr alleine die Großeltern oder Freunde in der Nachbarschaft besuchen dürften«, erklärte Schmidt am Sonntag in Berlin.

»Reine Wichtigtuerei«

Kritik wie diese gab es auch vom Jugendsprecher der bayerischen SPD. Linus Förster warf die Frage auf, ob nach Söders Ansicht Eltern ihre Kinder künftig immer vom Sportverein abholen müssten, wenn das Training bis nach 20 Uhr dauere. »Das ist reine Wichtigtuerei des neuen CSU-Generals - langsam wird Herr Söder zum Donald Duck der bayerischen Politik, der zu jedem Thema unqualifiziert herumschnattert«, sagte .....

Soll das schon bald den »guten alten Zeiten« angehören? Teenies beim Körbewerfen auf dem Basketballfeld des Jugendhauses in Erlenbach. Hier werden die Kinder und Jugendlichen bis 21 Uhr von Sozialpädagogen betreut. Wenn der Vorschlag des CSU-Generalsekretärs Markus Söder Gesetz würde, dürften sie danach nicht alleine nach Hause gehen.

Foto: Julia Lesch