Main-Echo

13.11.2004

Reißmann: Jugendarbeit entschärft soziale Konflikte

SPD-Mitglieder kamen zu Info-Gespräch ins Jugendhaus

Erlenbach. Aktuelle Informationen rund ums Jugendhaus Erlenbach holten sich Vertreter des SPD-Ortsvereins, der Stadtrats- und der Kreistagsfraktion vor Ort. Nach ihrem derzeit größten Wunsch gefragt, waren sich die Jugendlichen einig: »Dass der große Saal endlich fertig renoviert ist und wir ihn wieder nutzen können.«

Vom Angebot an Aktionen und Gruppen im Jugendtreff zeigte sich Stadträtin Anne Tulke beeindruckt. Die Palette reicht von Breakdance-Gruppe, Chor und Theaterteam über Bands, Konzerte und den kreativen Mädchentreff bis hin zu Kinderbibelstunden der Freien Evangelischen Gemeinde Niedernberg und Sprachkursen in Selbsthilfe einer Gruppe russischer Migranten.

So vielfältig wie das Programm, so bunt gemischt auch das Publikum des Jugendhauses. Diesen offenen Treff zu organisieren und die zahlreichen Eigeninitiativen zu fördern, bezeichnete Leiter Rudi Reißmann als seine Hauptaufgaben. Stolz versicherten die Jugendlichen auf Nachfrage der SPD-Delegation, dass es bei den zahlreichen Konzerten im Jugendhaus bisher zu keinen nennenswerten Zwischenfällen gekommen sei.

Überörtliche Wirkung des Jugendtreffs sah Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion Dr. Ulrich Schüren. Er höre erstmals von einer Selbsthilfegruppe russischer Aus- und Übersiedler, gestand er. Auch deren Initiatorin, Natalia Brinster aus Obernburg, wusste von keiner vergleichbaren Initiative. Jeder ehemalige Einwohner der russischen Republiken könne mitmachen. Ziel sei, die Neubürger bei Problemen mit Behörden und der Organisation des Alltags zu unterstützen, Sprachprobleme in Eigeninitiative zu verringern. Zugleich wolle man das Brauchtum aus der Heimat pflegen, erklärte Brinster.

Angegliedert an das Jugendzentrum ist das Main Job Net, dessen erfolgreiche Tätigkeit Erlenbach nach Aussagen von Esther Schwind für ein weiteres Jahr erhalten bleibt. Der konzeptionelle Unterschied zum alten Programm liege darin, dass nun eine Gruppe von fest angemeldeten Jugendlichen im Alter von 15 bis 25 Jahren betreut werden sollen.

Rudi Reißmann wies zum Schluss auf die große Bedeutung und die positive Wirkung des Jugendtreffs auch für den Landkreis hin. Die Sozialraumanalyse belege, dass Erlenbach statistisch in Bezug auf Ausländeranteil, Arbeitslosigkeit und Bevölkerungszuwachs ein sozialer Brennpunkt sei. Bei der zu zahlenden Jugendhilfe und der in Anspruch genommenen Jugendgerichtshilfe tauche Erlenbach aber unerwartet am Ende der Skala auf. Nachweislich habe sich die Situation in Erlenbach gerade in den vergangenen drei bis vier Jahren gebessert, was Reißmann auf die positive Wirkung der freien Jugendarbeit zurückführt. Er appellierte an die Politiker, sich für eine finanzielle Unterstützung der Jugendtreffs und eine intensivere Schul - und Jugendsozialarbeit im Landkreis einzusetzen. red