Main-Echo

04.12.2004

Drei Geldquellen sichern die Zukunft

Das Main-Job-Net macht in Erlenbach weiter

Erlenbach. Die Finanzierung steht: Das Main-Job-Net, das sich für junge Ausländer und Aussiedler ohne Job und ohne Ausbildung einsetzt, kann seine Arbeit für mindestens zwei Jahre fortsetzen. Die Mitarbeiterinnen Esther Schwinn und Pia Kuhn werden ab sofort nach einem neuen Konzept arbeiten (siehe Interview »Intensiver auf Probleme eingehen«).

Seit November 2001 existiert die Anlaufstelle am Erlenbacher Jugendhaus. Probleme mit der Finanzierung gibt es schon länger. Den beiden Mitarbeiterinnen war vor vier Wochen noch nicht klar, ob das Main-Job-Net fortbestehen wird. Die Gesamtkosten in Höhe von 109500 Euro pro Jahr sind inzwischen jedoch gedeckt. Drei Geldgeber haben dafür gesorgt.

Die ESO (Euro-Schulen-Organisation mit Sitz in Aschaffenburg) steuert wie bisher zehn Prozent bei. Träger des Job-Net sind die Euro-Schulen als gemeinnützige Gesellschaft für berufliche Bildung und Beschäftigung (EBB) unter dem Dach der ESO.

Eingestiegen ist nun der europäische Sozialfonds, er übernimmt 45 Prozent der Kosten. Weitere 45 Prozent finanziert die Agentur für Arbeit Aschaffenburg; sie hat damit ihren Anteil um 15 Prozent aufgestockt.

Arbeitsmarktfonds außen vor

Den Löwenanteil (in den ersten beiden Jahren 80, dann 60 Prozent) hatte bisher der bayerische Arbeitsmarktfonds getragen. Klar war, dass ab November 2004 diese Förderung für die Beratungsinitiative am Jugendhaus ausläuft.

Die Agentur für Arbeit hatte das Job-Net in den zurückliegenden drei Jahren mit Sondermitteln gefördert. Mit dem neuen Konzept habe man nun im Rahmen der Förderung benachteiligter Jugendlicher ein gesetzlich festgelegtes Programm, so Gerhard Peterskofsky, unter anderem Teamleiter für Berufsberatung bei der Agentur. So sei es möglich, maximal die Hälfte der Kosten zu übernehmen.

Ziel ist es laut Peterskofsky, Jugendliche zu erreichen, die die Schule verlassen und keine Berufsperspektive haben; ebenso gelte es, jungen Leuten zwischen 20 und 25 Jahren, die schon mal gejobbt, aber keine Ausbildung haben, einen Weg ins Berufsleben aufzuzeigen.

Hoher Prozentsatz

Ein wichtiger Faktor für das Engagement der Agentur für Arbeit: Im Landkreis Miltenberg gibt es mehr Jugendliche mit Berufsproblemen als in Stadt und Kreis Aschaffenburg. Das belegen die Zahlen der Agentur. Arbeitslose junge Leute unter 25 Jahren, die länger als sechs Monate keinen Job haben: Kreis Miltenberg 22,4 Prozent, Landkreis Aschaffenburg 19,0, Stadt Aschaffenburg 17,8 (im Vergleich zu allen unter 25-Jährigen).

Für Jugendhausleiter Rudi Reißmann ist das Main-Job-Net ein »Glücksfall«. Beratungsstelle und Jugendtreff arbeiten zusammen. Seither hat der Diplom-Sozialpädagoge festgestellt, dass tagsüber wesentlich weniger ältere Jugendliche zum Treffpunkt kommen. Viele hätten durch das Job-Net eine Beschäftigung gefunden. »Die hängen nicht mehr rum.«

Weniger Kriminalität

Auch Reißmann präsentiert Zahlen. Sie beziehen sich auf die Jugendgerichtshilfefälle. Erfasst werden Jugendliche, die strafrechtlich aufgefallen sind; dabei geht es um Fälle, bei denen die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat. Laut Reißmann gibt es bei den Jugendgerichtshilfefällen für Erlenbach von 2001 bis 2003 einen Rückgang um 42 Prozent. Das sei auch auf die Zusammenarbeit von Main-Job-Net und Jugendhaus zurückzuführen, die seit 2001 besteht.

Die Kooperation ist für Reißmann aus zwei Gründen wichtig. Erstens: Jungen Leuten Arbeit vermitteln, damit aus Frust und Langeweile nicht irgendwann Kriminalität wird. Zweitens: Jungen Ausländern ohne Job helfen, damit sie eine Perspektive entwickeln können.

Besonders stichhaltig ist das für Erlenbach. Reißmanns Statistik für das Jahr 2003 zählt in der Stadt 1314 Jugendliche zwischen 12 und 21 Jahren - davon sind 433 Ausländer oder Aussiedler (33 Prozent).

Für zwei Jahre Sicherheit

Jugendhaus und Job-Net werden demnach weiterhin viel zu tun haben. Die Finanzlage ist zunächst geklärt. Der europäische Sozialfonds wird zwei Jahre lang Geld für das Projekt bereitstellen, danach könnte der bayerische Arbeitsmarktfonds wieder ein Thema sein. Die Agentur für Arbeit ist zunächst für ein Jahr mit im Boot. Anschließend ist daran gedacht, sich die Kosten mit der Arbeitsgemeinschaft zur Grundsicherung für Erwerbsfähige im Landkreis Miltenberg zu teilen. »Es geht auf jeden Fall weiter«, so Peterskofsky von der Agentur für Arbeit.

Die Euro-Schulen (ESO) wollen auch nach zwei Jahren weiterhin zehn Prozent beisteuern. Das bestätigte Karl Brunner, bei ESO zuständig für Standortentwicklung und Management.

Matthias Schwind

Main-Job-Net: 09372/139010, Fax 09372/139009; E-Mail: schwinn.esther@ebb.erlenbach.eso.de, kuhn.pia@ebb.erlenbach.eso.de; Sprechzeiten: montags bis donnerstags von 10 bis 14Uhr.