Main-Echo

19.01.2006

Freistaat hilft jetzt doch

Erlenbacher Barbarossa-Schule soll halbe Stelle für Jugendsozialarbeit erhalten

Erlenbach. Die Stadt ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und mit ihr die Zahl der schwierigen Jugendlichen. Nach Ansicht von Landtagsabgeordnetem Dr. Heinz Kaiser hat sich Erlenbach zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt. Jetzt hat der SPD-Mann eine gute Nachricht überbringen können: Der Freistaat finanziert die Stelle eines Jugendsozialarbeiters, die zur Hälfte an der Barbarossa-Hauptschule angesiedelt ist.

Kaiser hatte sich bei den Beratungen des Nachtragshaushaltes 2006 des Staatsministeriums für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen für den Ausbau der Jugendsozialarbeit stark gemacht. Dabei wies er auch auf den Bedarf in seiner Heimatgemeinde mit ihrem hohen Ausländeranteil von 20 Prozent hin.

SPD-Antrag abgelehnt

Ziel der Sozialdemokraten im Maximilianeum war es, bis 2013 insgesamt 350 Stellen für Jugendsozialarbeit an bis zu 500 Haupt-, Förder- und Berufsschulen in Bayern zu schaffen. Der Änderungsantrag der SPD auf Erhöhung der Mittel zur Förderung von Maßnahmen und Einrichtungen der Jugendhilfe wurde jedoch mit CSU-Stimmenmehrheit abgelehnt.

Hingegen hat das Staatsministerium -nun gegen die Stimmen von SPD und Grünen - beschlossen, für das Schuljahr 2006/2007 aus Haushaltsresten pro Regierungsbezirk zusätzlich eine Stelle für einen Jugendsozialarbeiter einzurichten. Davon profitieren in Unterfranken die Landkreise Würzburg und Miltenberg. Wie Kaiser mitteilt, geht je eine halbe Stelle nach Höchberg und nach Erlenbach - hier an die Barbarossa-Schule. Über die Fortsetzung der Finanzierung wird bei der Aufstellung des Doppel­haushaltes 2007/2008 entschieden.

Hohe Zahl an Migrantenkindern

Dass die Erlenbacher Barbarossa-Hauptschule, in der über 300 Schüler unterrichtet werden, den Zuschlag bekommen hat, ist laut Heinz Kaiser zu begrüßen. So hat die Schule einen der höchsten Anteile an Migrantenkindern in ganz Bayern. Fast jeder zweite Hauptschüler kommt aus einer Ausländer- oder Aussiedlerfamilie, und auch unter den deutschen Kindern hat die Zahl der Problemfälle zugenommen. Das bestätigte Schulleiter Helmut Monert vor einem Jahr auf Anfrage unserer Zeitung.

Damals hatte der Freistaat es noch abgelehnt, Erlenbach in das Förderprogramm »Jugendsozialarbeit an Schulen« aufzunehmen. Die Stadtverwaltung hatte einen entsprechenden Antrag nach Absprache mit dem Landratsamt Miltenberg bereits im Herbst 2004 gestellt. Der Freistaat aber verfolgte sein Ziel, im Doppelhaushalt 2005/2006 ohne neue Schul­den auskommen zu wollen. Dies brachte Staatsministerin Christa Stewens prompt den Vorwurf von Heinz Kaiser ein, eine sinnvolle Maßnahme dem Spardiktat von Ministerpräsident Edmund Stoiber zu unterwerfen.

Nach diesen parteipolitische Scharmützeln sind sich alle Beteiligten jetzt einig: Sozialarbeit in Erlenbach macht Sinn. So begrüßte Bürgermeister Michael Berninger den Beschluss als »sehr positiv, sehr erfreulich«, ohne jedoch Details zu kennen. Vor der Stadtratssitzung am Dienstag will er sich über Einzelheiten informieren.

Von den Modalitäten wird viel abhängen. Eine entscheidende Frage ist, ob die Finanzierung der halben Stelle über das Landratsamt, das Schulamt oder die Stadt abgewickelt wird. Erhält die Stadt das Geld, dann könnte sie ihre Idee weiter verfolgen, Rudi Reißmann einzubinden. Er leitet seit sechs Jahren mit beachtlichem Erfolg das Erlenbacher Jugendhaus; seitdem ist die Jugendkriminalitätsrate zurückgegangen.

Ausgelastet, aber »hocherfreut«

Allerdings ist Reißmann mit seinen Aufgaben ausgelastet. Neben der Leitung des Jugendzentrums organisiert er Veranstaltungen wie das Erlenbacher Streetballturnier. Zudem kümmert er sich an der Barbarossa-Schule um schwierige Jugendliche. Dass sich jetzt der Freistaat einklinkt, darüber ist Reißmann »hocherfreut«.

Manfred Weiß