Main-Echo

12.07.2007

 

Einmal Zirkusluft schnuppern

Erlenbacher Hauptschüler lernen Artistenkunststücke bei dreitägigem BLSV-Workshop

Erlenbach. »Integration durch Sport« hieß das Motto an der Erlenbacher Barbarossa-Hauptschule von Montag bis Mittwoch. Im Zirkusworkshop lernten 20 Kinder der fünften bis siebten Klassen, Berührungsängste abzubauen und ihre Wahrnehmungsfähigkeit zu verbessern.

Drei Tage lang machte das Zirkusmobil des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) Halt an der Erlenbacher Hauptschule. Dabei konnten sich die Schüler in eine Welt begeben, die ihre Bewegungsfreude und Kreativität anregt. Sie lernten unter anderem Jonglieren, Balancieren und Akrobatik. Die Trainerinnen Tine Hahn und Goli Reichert zeigten den Jungen und Mädchen, die meist schon Vorkenntnisse hatten, weitere Tipps und Tricks.

»Jonglieren fördert Denkleistung«

»Jonglieren fördert die Denkleistung" sagt Ulrich Wohlmuth, Konrektor der Schule. Durch das Koordinationstraining könnte die Leistungsfähigkeit der Schüler verbessert werden. Außerdem könnten sich die Teilnehmer durch das Projekt auch einmal auf anderen Gebieten auszeichnen.

Balanceakt: Unterstützt von Trainerin Goli Reichert übt Lena Langguth das Einradfahren.                                                Fotos: Ralf Hettler

»An der Hauptschule in Erlenbach gibt es einen hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund und eine bereits bestehende Jongliergruppe«, weiß Kreisjugendpfleger Helmut Platz. Daher habe sich der Einsatz des Zirkusmobils gerade an der Barbarossaschule angeboten, wo auch die Jugendsozialarbeit sehr aktiv ist. »Wir gehen davon aus, dass Sport einen sehr geeigneten Ansatzpunkt für Integration darstellt«, meint Rudi Reißmann vom Erlenbacher Jugendzentrum. Insbesondere vom Zirkus gehe ein besonderer Zauber aus. Die Aussage des Sozialpädagogen bestätigt sich auch bei den Trainingsstunden. Ob deutsch oder türkisch - die Zusammenarbeit funktioniert. Ob beim Jonglieren, auf dem Drahtseil oder bei der Pantomime - von Berührungsängsten ist nichts spürbar.

Auftritt beim Fest

Burak Yilmaz jongliert mit vier Bällen, als träte er schon lange Zeit im Zirkus auf. »Ich bin in der Jonglier-Arbeitsgruppe und habe bereits Zuhause geübt«, verrät der 14-Jährige. Trotzdem habe er bei dem Projekt noch jede Menge Tricks dazugelernt. Auch Lena Langguth betätigt sich in der Jongliergruppe. Sie findet den Workshop »super toll«, es gebe »keine Probleme mit Ausländern«. Die Zwölfjährige übte mit Betreuerin Goli Reichert das Einradfahren, und bewegt sich nun noch sicherer auf dem Gefährt.

Wie ein alter Zirkushase: Burak Yilmaz jongliert mit vier Bällen.

Neben den durch die beiden Trainerinnen angeleiteten Übungen hatten die Jungen und Mädchen die Möglichkeit, etwas Eigenes zu kreieren. Bei der abschließenden Aufführung zahlte sich das Training durch die Anerkennung und den Applaus der Mitschüler aus. Am Sonntag werden die jungen Artisten sogar beim Erlenbacher Altstadtfest auftreten.

Das Zirkusmobil des BLSV wird vom Bundesinnenministerium gefördert. Die Maßnahme in Erlenbach wurde auch von der kommunalen Jugendarbeit des Landkreises unterstützt.

rah