Main-Echo

24.03.2011

Über soziale Netzwerke im Internet mit ihren Gefahren und Chancen für Jugendliche informierte Felix Behl bei einem Elternabend in der Barbarossa-Mittelschule Erlenbach. Foto: Jennifer Kraus

Events, Blogs, Chats: Jugendliche im Internet

Elternabend: Medienpädagogischer Berater Felix Behl informiert in der Barbarossaschule Erlenbach über soziale Netzwerke - Chancen und Gefahren

»Was ist eigentlich Facebook und SchülerVZ?« Diese Frage stellen sich viele Eltern. Was ihre Kinder auf diesen Internetseiten machen, ist ihnen oft ein Rätsel. Zum Thema fand am Dienstag ein medienpädagogischer Informationsabend »Soziale Netzwerke, Möglichkeiten, Risiken und Gefahren« in der Barbarossa-Mittelschule in Erlenbach statt.

Hintergrundinfos

Felix Behl, medienpädagogischer und informationstechnischer Berater für Grund- und Hauptschulen im Landkreis Miltenberg, hatte dabei die erkrankte Referentin Sigrid Ehrmann zu vertreten. Organisiert wurde die Veranstaltung im Rahmen der Schwerpunktreihe »Was heißt denn hier Liebe?!« vom Arbeitskreis Jugendsozialarbeit an Schulen und der kommunalen und präventiven Jugendarbeit des Landkreises.

Keine Kontrolle durch Betreiber

Früher sei Partyfans das beliebteste Netzwerk im Landkreis gewesen, heute ist es Facebook, erklärte Behl. Das eigens auf Schüler zugeschnittene SchülerVZ habe in der Region noch nie großen Zuspruch erhalten. Zielgruppe dieser Communitys seien teilweise schon Kinder ab zwölf Jahren. Ungefähr seit 2007 tauchten immer mehr solcher Portale auf. Was nun genau diese Netzwerke sind, erläuterte der Berater.

Alle Netzwerke seien ähnlich aufgebaut, so Behl. Der Nutzer hat die Möglichkeit, ein eigenes Profil mit Namen, Bild, Daten, Fotoalben zu erstellen und Freundschaftsanträge zu versenden. Weiter gibt es Gästebücher und Blogs. Zudem verlocken Spiele und Chats die Jugendlichen, ihre Freizeit auf diesen Internetseiten zu verbringen.

Diese Möglichkeiten, so Behl, könne man gut nutzen, um den Kontakt zu Freunden zu halten oder alte Bekannte wiederzufinden. Jedoch würden sich auch Gefahren dahinter verbergen, meinte der Berater. So könne sich jeder ohne großen Aufwand bei diesen Internetseiten anmelden und sein Persönlichkeitsprofil frei gestalten. Eine wirkliche Kontrolle von Daten wie Altersbeschränkung oder Adresse durch die Betreiber gebe es nicht. Ob man jedem vertrauen könne und die Kontaktperson wirklich diejenige sei, für die sie sich ausgebe, bleibe immer fraglich.

Absichten des Einzelnen oft unklar

Genauso seien die Absichten des Einzelnen nie abschätzbar. Mancher Nutzer suche wirklich nach Bekannten. Andere hingegen »sammelten« eventuell nur Freunde und passten ihre Selbstdarstellung diesem Ziel an. Im schlimmsten Fall sei die zwölfjährige Susi, die ein Kind kennengelernt hat, ein 45-jähriger Tom.

Zudem habe jeder fremde Nutzer die Möglichkeit, Bilder und Daten einzusehen, falls dies nicht in den Einstellungen geändert ist. Dass die Privatsphäre tatsächlich geschützt werde, dafür müssten Nutzer über die entsprechenden Eingaben schon selbst sorgen. »Der Profilname und das Bild wird jedoch immer angezeigt, egal wie das Profil angelegt ist«, betonte Behl. Ein gewisser Schutz sei es, wenn Kinder nur ihren Spitznamen verwendeten und kein Bild, das ihnen zuzuordnen ist.

Arbeitgeber kontrollieren Profile

Weiter besteht laut Behl das Risiko, dass Fotos aus den Alben kopiert und verbreitet werden und sich Arbeitgeber über die Profile von Schülern informieren könnten. Da könnten Angaben über Hobbys oder Fotos von Partys mitunter sehr unvorteilhaft für die Jugendlichen sein. Auch komme es zu Cybermobbing in Gästebüchern, was von den Opfern oft gar nicht oder spät bemerkt wird.

Behl riet den Eltern, sich selbst einmal bei einem Netzwerk anzumelden. Auf keinen Fall solle man den Jugendlichen die Nutzung komplett verbieten, sondern mit ihnen das Gespräch suchen, auf Gefahren hinweisen und bei negativen Vorkommnissen wie Belästigungen und Beleidigungen sofort reagieren. Zum Schluss zeigte Felix Behr, wo und wie Erwachsene und Jugendliche Hilfe und Beratung finden können.

Jennifer Kraus

 

Hintergrund: Begriffe sozialer Internet-Netzwerke

Community: Internetgemeinschaft

Facebook: Weltweite Community

Partyfans: Regionale Community

SchülerVZ: Auf Schüler beschränkte Community

Blog: Ein im Internet geführtes öffentliches Tagebuch oder Journal

Gästebuch: Teil eines Internetprofils, Besucher können dort Kommentare abgeben

Chat: Elektronische Kommunikation in Echtzeit über das Internet

Privatsphäre: Schutz durch Einstellung der Profilöffentlichkeit zum Beispiel »nur für Freunde sichtbar«

Cybermobbing: Beleidigung und Belästigung anderer Menschen über das Internet

Weitere Informationen: im Internet unter www.felixbehl.de

(jkr)